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Stories
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Geld spielt (k)eine Rolle
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Die Mitglieder der kaiserlichen Familie plagten keine Geldsorgen, zumindest wenn sie sich an bestimmte Vorgaben hielten – die RegelbrecherInnen hatten ihre eigenen Methoden, doch noch an Geld zu kommen. Richtig konfliktreich wurde die Diskussion um habsburgisches Vermögen mit der Ausrufung der Republik 1918.
Wenn man an Kaiser oder Monarchie denkt, kreisen die ersten Assoziationen wahrscheinlich um Kronjuwelen, Schatzkammern und unvorstellbaren Reichtum. Tatsächlich war auch die Herrscherfamilie reichlich mit finanziellen Mitteln ausgestattet, über deren Verwendung das Familienoberhaupt das letzte Wort hatte. Die Familie verfügte über verschiedene Arten von Vermögen: Da war erstens das "Hofärar", jenes Vermögen, das den Habsburgern als Herrschergeschlecht zustand – darunter fiel etwa das Schloss Schönbrunn. Zweitens gab es das "gebundene Vermögen", aus dem der Unterhalt der Familie gezahlt wurde und drittens noch das "private Vermögen". Um diese unterschiedlichen und schwer voneinander abzugrenzenden Vermögensformen drehte sich nach dem Ende der Monarchie die Frage, was die Republik mit dem Habsburgervermögen machen sollte.
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Von Finanzwächtern, Sparfreudigen und Selbstmördern
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Die Habsburgermonarchie war stets knapp bei Kasse: Gefüllt wurde sie durch Steuern und private Banken. Die Habsburger mussten sich nicht nur um persönliche Geldangelegenheiten kümmern. Als Herrscher trugen sie auch Mitverantwortung für den Staatshaushalt, also die Ausgaben und Einnahmen der Monarchie. Die Gründungen des Finanzministeriums und der Nationalbank sollten helfen, den Staatshaushalt besser zu kontrollieren. Während die finanzielle Situation in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zumeist angespannt war, erlebte die Monarchie während der Gründerzeit (ca.1850 bis 1873) einen Wirtschaftsboom. Der "schwarze Freitag", der Börsenkrach 1873, beendete diesen Boom vorerst.
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'Shopping' zu Kaisers Zeiten
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Ob beim Luxusausstatter in gediegener Atmosphäre oder im prächtigen Warenhaus mit modernster Ausstattung, in Wien ließ es sich gut einkaufen – zumindest für diejenigen, die genug Geld hatten.
Der "Wiener Geschmack" war berühmt: Damit war beispielsweise das Luxus- und Kunsthandwerk gemeint. Das Wien des 19. Jahrhunderts kann durchaus als 'Konsumstadt' bezeichnet werden. Schon damals fanden sich in bestimmten Gesellschaftsschichten wesentliche Merkmale des modernen Konsums: Eine Vielfalt an Waren, Werbung für diese Waren, 'bewusstes' Einkaufen (Freizeit, Vergnügen) und die 'Entstehung' von Konsumsubjekten. Die Einkaufsmöglichkeiten der KonsumentInnen waren freilich recht unterschiedlich: Während der Hof, der Adel und das Bürgertum etwa bei teuren HoflieferantInnen kauften, versorgten sich die sozialen Unterschichten auf (Tandler)Märkten und in Konsumgenossenschaften, wo die Waren billiger waren.
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Fortschritt produzieren
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Das 19. Jahrhundert als Zeitalter der Erfindungen, der Industrialisierung und des Fortschritts: Ganz so linear war die Entwicklung dann doch nicht. In der Habsburgermonarchie hielten im 19. Jahrhundert Maschinen, Motoren und Fabriken Einzug und veränderten damit die bisherigen Produktionsweisen, die Art der Produkte und die Wirtschaftsstruktur. Weil beim Grad der Industrialisierung große Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen herrschten, wurde die Habsburgermonarchie oft als rückschrittlich bezeichnet. Den in höherem Maße industrialisierten Staaten Europas nachzueifern war dann auch Ziel des Kaisers und seiner Berater, die einige Maßnahmen zur Wirtschafts- und Technikförderung ins Leben riefen: Diese reichten vom Import ausländischen Know-Hows bis hin zu Industrieausstellungen und der Gründung von Museen. An letzteren wird deutlich, dass ein Gutteil der Repräsentation eines Herrscherhauses im 19. Jahrhundert in engem Zusammenhang mit der Präsentation technischer Erfolge stand.
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Alla turca
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Oriental Chic. Die höfische Herbst/Winter-Kollektion 1743: Pluderhosen, Seide und sehr viel Pelz! Am Hof kleidet man sich nach der neuesten Mode und feiert Feste im türkischen Kostüm, das Burgtheater spielt die Oper "Die Entführung aus dem Serail" und Kaiserin Maria Theresia spießt nachgebildete Osmanenschädel auf – Turquerie wohin man blickt! Seit dem 16. Jahrhundert interessierte sich das "Abendland" für die Kultur des "exotischen Anderen" – oder was man dafür hielt. Die Kunst verbreitete Bilder eines erotischen und üppigen Orients, Hof und wohlhabendes Bürgertum richteten sich "alla turca" ein. Vorreiter eines dekorativen Exotismus war Frankreich, das ein entspannteres Verhältnis zur Kultur der Osmanen hatte als etwa die Habsburgermonarchie, für die die Türken immer wieder eine reale Bedrohung darstellten.
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Die Monarchie wird modern
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Alles neu, alles schnell, alles gut? Das könnten sich die ZeitgenossInnen angesichts der vielen technischen Neuerungen des 19. Jahrhunderts gedacht haben.
Für die Menschen des 19. Jahrhunderts beschleunigte sich das Leben: Der Bau des Eisenbahnnetzes verkürzte Reisen und erleichterte den Warentransport; die Wiener Stadtmauer verschwand als Hindernis für die Bewegung von Personen und Waren; Straßenbahnen und Fahrräder vergrößerten die Bewegungsräume in der Stadt und einige wenige Autos als Vorboten für die Massenmobilität des 20. Jahrhunderts kutschierten die wohlhabenden AutomobilistInnen durch die Gegend. Durch Verkehrsmöglichkeiten und Technik wurde auch die Nachrichtenübermittlung beschleunigt: Telegrafie, Telefon und moderne Post ermöglichten eine rasche Kommunikation. Nicht zuletzt wurde auch die Versorgung der Residenzstadt vernetzt, indem die Wasser-, Gas- und Stromleitungen auf- und ausgebaut wurden.
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Von der glanzvollen City in die anrüchigen Suburbs
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Woran denken Sie, wenn Ihnen die Kaiserstadt Wien in den Sinn kommt? Wohl eher an die prachtvollen Bauten der Ringstraße und die schönen Künste als trostlose Elendsviertel und stinkende Fabriken.
Wien – vor allem das Wien der Jahrhundertwende – steht für Modernität, Urbanität und hochkulturelle Leistungen in Literatur und Malerei. Es wird assoziiert mit der Ringstraße, den bürgerlichen Salons und Kaffeehäusern der Inneren Stadt. Wenig Beachtung findet dabei das Wien der Vorstädte und Vororte mit den Zinskasernen für die Arbeiterschaft und Fabriken; wahrscheinlich, weil es das fremdenverkehrswirksame Image vom schönen Wien in Frage stellen würde. Schon zeitgenössische Berichte assoziierten die Vororte und ihre BewohnerInnen mit Unordnung, Krankheit, Kriminalität und Pöbel – Orte also, von denen ständig die Gefahr eines gesellschaftlichen Umsturzes ausging.
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Zu Land, zu Wasser und in der Luft
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Im 18. Jahrhundert sahen sich die habsburgischen HerrscherInnen mit einem steigendem Energieverbrauch und verstopften Verkehrsadern in ihren Ländern konfrontiert. Die Menschen wurden zum Energiesparen verdonnert, 'die Natur' stellte sich quer.
Für die wachsende Bevölkerung und beginnende Industrialisierung der Habsburgermonarchie wurden immer mehr Ackerland und Brennholz benötigt. Der primäre Energieträger wurde jedoch knapp. Eine Vielzahl von Verordnungen sollte den Holzverbrauch sowohl regulieren und einschränken als auch zum vermehrten Einsatz von Kohle anregen. Weil Steinkohle vor allem in Böhmen zu finden war, verlagerte sich die Schwerindustrie im 19. Jahrhundert in diesen Raum. An naturräumlichen Bedingungen mühte sich auch die Verkehrsplanung ab. Um das Straßennetz zu entlasten und den Güterverkehr zu beschleunigen, ordnete Joseph II. den Ausbau der Wasserwege an. Im Personenverkehr gewann die Postkutsche, die seit der Mitte des 18. Jahrhunderts unterwegs war, an Bedeutung. Weniger dem Transport als der Begeisterung und Faszination dienten die ersten Ballonfahrten.
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"Spectacle müssen sein"
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Aus Italien kommend erreicht eine neue Kunstform den habsburgischen Hof: die Oper. Mit pompösen Feiern und prunkvoll ausgestatteten Opernaufführungen setzt der Wiener Hof alles daran, die anderen europäischen Höfe zu übertrumpfen und Machtansprüche zu demonstrieren. Die Prachtentfaltung kulminiert in den zwei Jahre dauernden Feierlichkeiten anlässlich der Hochzeit Leopolds I. mit Margarita Teresa von Spanien. Politische und finanzielle Schwierigkeiten zwingen die Dynastie schließlich zur Zurückhaltung – gefeiert wird trotzdem: "Spectacle müssen sein, ohnedem kan man nicht hier in einer solchen großen residenz bleiben", dekretiert Maria Theresia denn auch am 9. Juni 1759 an den "General-Spectaklendirektor" Conte Giacomo Durazzo. Die Habsburger ließen aber nicht nur musizieren – sie taten es auch selbst: Leopold I. komponierte und spielte mehrere Instrumente. Auch Maria Theresia und ihre Kinder musizierten und wirkten selber bei Theateraufführungen mit.
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Fäden ziehen
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Die Manufakturen und das Verlagssystem wurden von Maria Theresia gefördert und von den Handwerkern bekämpft. Technische Erfindungen machten schließlich beiden Konkurrenz. Manufakturen, Heimarbeit und das Verlagssystem waren Kennzeichen der sogenannten Protoindustrialisierung, also einer 'Industrialisierung vor der Industrialisierung'. Die staatliche Gewerbepolitik förderte und privilegierte Manufakturen und reformierte Zünfte und Handwerk. Letztere sahen sich durch die Manufakturen in ihrer Existenz bedroht und agitierten gegen den Lohndruck, den die Manufakturbesitzer nicht zuletzt durch die Beschäftigung gering bezahlter Frauen auslösten. Gleichzeitig stellte die Arbeit in Manufaktur und Verlag eine Verdienstmöglichkeit vor allem für die ländliche Bevölkerung dar. Ein wichtiger Wirtschaftszweig des 18. Jahrhunderts war die Textilwirtschaft, deren Produkte oftmals "im Verlag" erzeugt wurden. Die Mechanisierung von Spinnen und Weben und die Erfindung der Nähmaschine revolutionierten die Herstellung von Textilien.
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